22. April 2010

Cochenillefärbung



Vorgestern morgen habe ich Cochenille mit dem Mörser zerkleinert und über Nacht eingeweicht, vorgestern abend dann die ersten beiden Wollstränge nach einem Rezept von Dorothea gefärbt. Ich hatte große Probleme die Teerschicht zu entfernen und habe den Farbsud mehrfach abgeseiht. Der Farbsud war dann zwar von der öligen Schicht befreit, blieb aber rabenschwarz. Das Färbegut im ersten Farbzug wurde zunächst einfach nur grau und ich fürchtete, dass es so bleiben würde, es blieb dann über Nacht im Farbbad und am nächsten Morgen zog ich 2 erikafarbene Wollstränge aus einer gelierten schwarzen Pampe und beschloss, weiter zu färben. Abends färbte ich dann 3 weitere Farbzüge die im Kunstlicht sehr schön aussahen. Die ersten beiden sahen im Sonnenlicht heute aber deutlich angegraut aus (doch Teer?) . Bereits nach dem zweiten Zug hatte sich die schwarze Färbeflotte in eine rotweinartige Flüssigkeit verwandelt. Der vierte Zug blieb auch bei Licht betrachtet rot ohne Grauschleier. Jetzt bei Kunstlicht ist das Grau wieder verschwunden. und die Stränge wirken beerenfarben. Mal sehen, wie die Stränge morgen getrocknet aussehen. Momentan köcheln noch mit Alaun gebeizte Stränge, die einfach nur schön bonbonrosa werden.



Interessanterweise ist der Grauschleier auf der Sockenwolle mit Kunstfaseranteil weniger ausgeprägt. Hier die Färbung von der Nachmittagsonne beschienen.


Nachtrag für Annette vom Färberhaus: So sehen die getrockneten Läuse aus, das Bild vergrößert sie. Sie wirken mit ihrer silbergrauen Färbung wie Splittkörnchen. Und sie riechen beim Färben ziemlich intensiv. Angenehm eher nicht, sondern nach "Straßenbau".

Kommentare:

  1. Das sind ja wunderschöne Rottöne geworden! Ich müsste auch noch irgendwo eine Läusedose herumstehen haben....

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  2. Bei dir ist ja der totale Färbevirus ausgebrochen, ich habe mit Cochenille noch nicht solche Grauschleier Erfahrungen gemacht. Ich benutze gemahlenes Cochenille von Wollknoll.
    Aber schöne Stränge sind das doch geworden!!!!

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  3. Huhu,

    mit großem Interesse verfolge ich deine Cochenille-Färbungen da ich selbst noch nie mit den Läusen gefärbt habe...
    Irgendwie habe ich einen kleinen "Ekelfaktor" wenn ich daran denke, Tiere kochen zu sollen. Nicht falsch verstehen - ich bin nicht dagegen, aber ich mag es einfach nicht tun, ich bin ziemlich fies davor...
    Aber die Farben sind sooo schön, vielleicht sollte ich mich doch mal überwinden?

    Wenn man die getrockneten Läuse kauft - sieht man, dass es Tiere sind? Und riecht es beim Kochen??

    Entschuldige meine Fragen, aber das würde mich wirklich interessieren!

    Liebe Grüße für ein schönes und sonniges Wochenende
    Annette

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  4. huhu

    na dass sind ja mal herrliche Farben, ich hab keine Erfahrung mit dem Teer, ich hab auch gemahlene von Wollknoll, allerdings stehen die noch genauso hier herum wie sie angekommen sind...kommt auch noch, momentan gibt es so viel in der Natur, ich will demnächst mal Löwenzahnblüten probieren....

    die Rosatöne sind total intensiv und schön geworden...

    liebe Grüße
    Tina

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