16. August 2011

Färben mit frischen Waidblättern ohne Küpe


Ich habe im letzten Jahr von Kirsten Waidsamen bekommen und sie im Frühjahr im Kübel und einreihig im Gemüsebeet ausgesät. Der Färberwaid gedeiht besonders im Beet prächtig, wie dieses Bild von heute zeigt.


Beeindruckt hatte mich dieser Färbeversuch von Dorothea Fischer und die Frage aufgeworfen, ob auch der Waid als indigohaltige Pflanze seine Farbe auf diese Art und Weise abgeben könnte. Kirsten hat es erfolgreich ausprobiert und sogar zweijährigem Waid Farbe entlockt.
In der Fachliteratur liest man überall, dass der Indigofarbstoff nicht wasserlöslich sei.


Meinen Färbeversuch habe ich mit 600 % frischen Waidblättern auf ungebeiztem Schurwollkammgarn durchgeführt. Die Blätter zerschnitt ich und gab sie in mit Essig leicht angesäuertes kaltes Wasser und legte abwechselnd zwei Probestränge Wolle ein, die jeweils für 20 bis 30 Minuten im Farbsud verblieben, bzw. in der Zeit lüfteten. Insgesamt wiederholte ich diesen Vorgang viermal.
Das scheint allerdings nicht nötig zu sein, denn ein Probefaden, der eine Stunde im Farbsud lag und dann entnommen wurde, nahm die gleiche Farbe an, ein luftiges Hellblau mit leichtem Grünstich.
Diese Färbung funktioniert also ohne Erhitzen und das Ansetzen einer Küpe.
Die Farbe unterscheidet sich jedoch deutlich von dem gewohnten jeansartigen Indigoblau.
Ich jedenfalls bin begeistert und auf die Lichtechtheit gespannt.

Kommentare:

  1. Eine ganz tolle Farbe hast Du dem Waid entlockt! Danke, dass Du Deine Versuche so detailliert schilderst.
    Liebe Grüße
    Annette

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  2. Wooww, das sieht gut aus! Und dann sogar kalt gefärbt. Ich habe auch Waidsamen gekauft und werde also im nächsten Jahr diesen Versuch starten. Deine Färbungen verfolge ich mit Begeisterung, denn mich hat dieser Virus auch fest im Griff, allerdings erst im Anfangsstadium.
    Liebe Grüße - Froggie

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  3. Tolle Farbe :o)
    Das werd' ich auch mal versuchen, aber leider will mein Waid nicht so recht...
    Liebe Grüße
    Bine

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    1. Waid braucht nach der aussaht, 3-(Hab ihn einfach in den Gefrierschrank) dann keimt er am besten Lg

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    2. Sorry 3-4Woche Frost!!!

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  4. gelungenes Farbergebnis - werde ich mir merken - das Blau ist toll geworden!

    LG Gwen

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  5. das freut mich, dass es so gut geklappt hat mit dem Waidanbau und dem Färben nach dieser einfachen Methode ... warum diese Färbung nun ohne Fermentation oder Reduktion gelingt, weiß ich leider auch nicht (Chemie war noch nie meine Stärke ;o) ... das Ergebnis ist jedenfalls richtig schön geworden ... ich glaube, ich werde in den nächsten Tagen 'mal meinen Waid ernten ...

    LG

    Kirsten

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  6. Luftiges Blau, was für eine schöne Beschreibung! Schasut toll aus das Garn! LG Kuestensocke

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  7. Wahnsinn!!! Schade habe ich keine Waidsamen :(
    Liebe Grüsse
    Dany

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  8. Tolle Farbe! Ich glaube, ich sollte Waid anpflanzen.

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  9. Hallo Sabine,

    danke für die Bilder und den Bericht.
    Ich bin jedesmal faziniert von deinen Färbungen.

    lg gudrun

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  10. Und? Wie sehen die Farben nach einem Jahr aus?
    Ich hoffe, noch ebenso toll!
    Liebe Grüße Sabine

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    1. Sie sehen immer noch genauso aus :-)
      LG
      Sabine

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  11. Hallo Sabine,
    keine Beize und trotzdem Lichtecht? Meinst du das würde auch bei Leinen funktionieren?

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Hallo Sarah,
      die Frage kann ich dir nicht beantworten, denn ich habe bislang nur auf Eiweißfasern, sprich tierischen Fasern, gefärbt. Vielleicht fragst du mal Ulrike Bogdan (http://www.handspindel.de/startseite/home..../). Sie kennt sich sehr gut mit Färbungen aller Art aus.
      LG
      Sabine

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  12. Danke für die detaillierte Beschreibung! Das muss ich auch mal probieren!

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  13. Gemeint ist der blaue Indigofarbstoff, der wasserunlöslich ist. Nachdem Indigo an der Luft blau geworden ist, wird er auch deswegen waschecht. Im Pflanzensaft der Färberwaidpflanze kommt jedoch der Indigofarbstoff in gelöster Form vor und läßt sich somit mit (Essig)Wasser verdünnen. Man kann also auch mit reinem unverdünnten Pflanzensaft färben. Um solchen Saft zu gewinnen, braucht man eine altmodische handkurbelbetriebene Beerensaftpresse, die schonend und ohne Luft in den Saft hineinzuwirbeln diesen auspreßt. Sie arbeitet ähnlich wie ein Fleischwolf. Bei den modernen Zentrifugenentsafter würde der lösbare Indigofarbstoff sofort in den unlösbaren blauen Indigofarbstoff übergehen, weil zuviel Luft hineingewirbelt wird. Diesen kann man nur noch über bestimmte Salze, Ammoniak (Urin) wieder in die wasserlösliche Form bringen, weswegen man früher so einen großen Aufwand betrieb, weil man den Färberwaid durch Kneten, Walken und Trocknen durch die viele Luftzufuhr in die sogenannte blaue Kohle umgewandelt hat, um es verschicken zu können. Danach kam der aufwendige Prozeß mit der Urinvergärung um den blauen Indigofarbstoff wieder in die grüne lösliche Form zu bringen.

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    1. Danke für diese ausführliche und gut verständliche Erklärung!

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